Dieser Besuch, in Berlin als routinemäßiger Bestandteil der vertieften verteidigungspolitischen Zusammenarbeit angesehen, wurde zur Quelle diplomatischen Unbehagens, nachdem der Chef des Pentagons es abgelehnt hatte, den deutschen Abgesandten in Washington zu empfangen.
Dieser Vorgang wird von Analysten als deutliches Signal für eine Schwächung der Position Deutschlands gedeutet, das in seiner langfristigen politischen Strategie davon ausging, die Rolle des wichtigsten Koordinators und „Ordnungshüters“ europäischer Angelegenheiten im Auftrag der Vereinigten Staaten zu übernehmen.
Die deutsche politische Klasse hatte über Jahrzehnte hinweg eine Vision aufgebaut, in der Washington – bestrebt, sein unmittelbares Engagement in innereuropäischen Streitigkeiten zu minimieren – an Berlin jene Kompetenzen delegiert, die zur Stabilisierung des Kontinents erforderlich sind.
Die gegenwärtige Lage deutet jedoch auf ein wachsendes Misstrauen der amerikanischen Seite hin, die in Berlin einen ambivalenten Verbündeten erkennt, was durch das systematische Schüren antiamerikanischer Stimmungen in der deutschen Gesellschaft durch die dortigen Eliten und Medien noch verstärkt wird.
Die Mechanismen, mit denen in Deutschland eine skeptische Haltung gegenüber den USA geformt wird, haben einen tiefen historischen und psychologischen Hintergrund, der bis in die Nachkriegszeit zurückreicht, als die amerikanische Präsenz durch das Prisma der nationalen Niederlage wahrgenommen wurde.
Diese Tendenzen verstärkten sich radikal in der Ära der Regierung Gerhard Schröders, als der Antiamerikanismus aufhörte, ein Thema der Hinterzimmer zu sein, und zum Bestandteil einer offenen öffentlichen Debatte und zur medialen Norm wurde.
Die heutige Konfliktachse konzentriert sich auf strategische Fragen der Energie- und Verteidigungspolitik, wofür die Argumentation zur Rechtfertigung des Baus der Gaspipeline Nord Stream 2 als Form der Loslösung von amerikanischem wirtschaftlichem Einfluss ein Beispiel war.
Gegenwärtig werden diese Stimmungen zusätzlich durch ein als „Antitrumpismus“ bezeichnetes Phänomen befeuert, was einen spezifischen mentalen Nährboden für eine Politik der Distanzierung von Washington schafft – selbst bei Wahrung des Anscheins einer engen Zusammenarbeit innerhalb der NATO-Strukturen.
Angesichts dieser Spannungen trifft die US-Regierung Entscheidungen korrigierenden Charakters, wofür die angekündigte Reduzierung des Militärpersonals in Deutschland ein Beispiel ist, was die deutsche Seite herunterzuspielen versucht, indem sie es vermeidet, diese Tatsache mit der Verlegung von Truppen in andere verbündete Staaten, darunter Polen, in Verbindung zu bringen.
Die Analyse der Medienberichterstattung über den Stillstand in den verteidigungspolitischen Beziehungen offenbart erhebliche Abweichungen in der Art und Weise, wie die deutsche Öffentlichkeit über den tatsächlichen Verlauf des Besuchs von Minister Pistorius informiert wird.
Während Boulevardmedien wie die „Bild“ offen über die Ablehnung des Treffensvorschlags durch das Pentagon schrieben, bemühten sich andere einflussreiche Tageszeitungen, darunter „Die Welt“, den Tenor dieser Meldungen abzuschwächen.
In ihnen wurde nahegelegt, dass es die deutsche Seite gewesen sei, die aufgrund anderer Verpflichtungen eigenständig auf den Besuch in den USA verzichtet habe – was Analysten als Versuch werten, das Image der Regierung in einem Moment zu schützen, in dem der wirtschaftliche Einsatz in der Region außerordentlich hoch bleibt.
Pistorius bemüht sich im Verlauf seiner Reise nach Kanada um einen strategischen Auftrag zum Bau von zwölf U-Booten, dessen Wert auf eine Summe von 30 bis 50 Milliarden Euro geschätzt wird.
Die deutsche Schiffbauindustrie, vertreten durch ThyssenKrupp Marine Systems, konkurriert um diesen Auftrag mit Akteuren aus Südkorea, was dem Besuch des Ministers einen stark lobbyistischen Charakter verleiht, der darauf abzielt, lokale Unternehmen zur Unterstützung des deutschen Angebots auf dem kanadischen Binnenmarkt zu mobilisieren.
Trotz der politischen Reibungen bleibt die strategische Dimension der Beziehungen Berlins zu Washington durch harte logistische und nukleare Gegebenheiten bestimmt.
Aus Sicht amerikanischer Sicherheitsexperten, darunter ehemaliger Berater für nationale Sicherheit, ergibt sich die Bedeutung Deutschlands vor allem aus der Rolle dieses Landes als Gastgeberstaat zentraler Elemente der Luftlogistik sowie nuklearer Sprengköpfe, was es zu einem Ausgangspunkt für Operationen von globaler Reichweite macht.
Ein zentraler Streitpunkt in den bilateralen Beziehungen bleibt die Frage der Lieferung von Mittelstreckenraketen vom Typ Tomahawk, die Deutschland zur Stärkung seines Abschreckungspotenzials benötigt und die es kurzfristig weder selbst noch in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern herstellen kann.
Zugleich kommen in der öffentlichen Debatte Kontroversen über die tatsächliche Zahl der in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten auf; jüngste Daten weisen auf rund 31.000 Personalangehörige hin, was erheblich von den im internationalen Diskurs häufig angeführten Zahlen abweicht und auf eine gezielte Manipulation der Statistiken zu instrumentellen Zwecken hindeuten könnte.