Die gegenwärtige deutsche politische Kultur ist durch eine tiefe Kluft zwischen der offiziellen Erzählung und dem tatsächlichen Handeln gekennzeichnet. Dieser Mechanismus erlaubt Berlin einen weiten Handlungsspielraum, denn Wahrheit und Wirklichkeit werden rein instrumentell behandelt und kurzfristigen politischen Zielen untergeordnet.
Das anschaulichste Beispiel für dieses Phänomen ist die deutsche Geschichtspolitik, die gezielt das Bild der Deutschen als Opfer anonymer „Nazis“ erschafft und so die Verantwortung für die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs von sich weist. Diese Strategie, so wirksam sie bisher beim Aufbau des Images auf internationaler Bühne war, birgt das Risiko einer vollständigen Loslösung der politischen Elite von den Realitäten. Dies führt zu schwerwiegenden Fehleinschätzungen der Lage sowie zu einer wachsenden Kluft zwischen Form und Inhalt der Botschaft.
Derzeit ist in Deutschland ein deutlicher Verlust an Kompetenz und qualitativen Ressourcen in der politischen Klasse erkennbar, was eine prompte Reaktion auf abrupte Verschiebungen der geopolitischen Ziele erschwert. Diese Situation legt Washington schonungslos offen, das – vor allem in Phasen starken diplomatischen Drucks – offen auf die militärische und technologische Schwäche Berlins hinweist und dessen Anspruch auf eine Führungsrolle in Europa infrage stellt. Die amerikanische Kritik konzentriert sich auf das Fehlen realer Verteidigungsfähigkeiten sowie auf die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export. In der Konfrontation mit harten Fakten macht dies die deutschen politischen Deklarationen zu nichts als leeren Parolen ohne Deckung in der Wirklichkeit.
Im vergangenen Jahrzehnt hat die deutsche Politik eine Reihe abrupter und widersprüchlicher Kehrtwenden vollzogen, was die Glaubwürdigkeit dieses Landes als stabiler Partner drastisch mindert. Das eklatanteste Beispiel ist die Migrationsfrage – der Übergang von der Politik der offenen Türen hin zur derzeitigen Tendenz, scharfe Restriktionen einzuführen und Migranten in die Nachbarstaaten zurückzuschicken. Eine ähnliche radikale Entwicklung vollzog sich im Bereich der Sicherheit, wo der jahrelange, beinahe religiöse Pazifismus plötzlich durch die Ankündigung ersetzt wurde, die größte konventionelle Armee Europas aufzubauen.
Ein besonders gefährliches Element der deutschen Strategie ist die wiederkehrende Konzeption des „dritten Weges“, die Deutschland als Vermittler zwischen dem Westen und Russland sowie China positioniert. Dieser Ansatz, obwohl er als Streben nach Unabhängigkeit von den USA präsentiert wird, hat den östlichen Mächten wiederholt Vorteile gebracht und zugleich enorme Kosten für den Westen im weiteren Sinne verursacht, darunter für Deutschland selbst. Die Beispiele der katastrophalen Energieabhängigkeit von Russland oder die gegenwärtigen Schwierigkeiten in den Wirtschaftsbeziehungen mit China zeigen, dass die Ambitionen, eine autonome Großmachtstellung aufzubauen, häufig in strategischen Niederlagen enden. Das wachsende Auseinanderdriften zwischen den Ambitionen Berlins und seinem realen militärischen und wirtschaftlichen Potenzial zerstört das internationale Vertrauen und stellt die Wirksamkeit des deutschen Führungsmodells infrage.