Die von der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter dem Titel „Angst vor Deutschland“ vorgelegte Analyse konzentriert sich auf die Wahrnehmung der größten europäischen Staaten wie Italien, Frankreich, Großbritannien, Polen und Spanien und lässt dabei die Meinungen der kleineren Nachbarn außer Acht.
Die Beziehungen Berlins zu seinen wichtigsten Partnern offenbaren ein komplexes Mosaik aus Interessen und verborgenen Konflikten. Im Fall Italiens beruht die Akzeptanz der deutschen Ambitionen eher auf Pragmatismus als auf bedingungslosem Vertrauen.
Das Verhältnis zu Großbritannien bleibt von einer tiefen Rivalität geprägt, was sich anlässlich des polnischen Programms „Orka“ deutlich zeigte. Die deutsche Empörung über die britische Unterstützung für das schwedische Angebot zeigt, dass sich unter dem Deckmantel der Rhetorik von der gemeinsamen Verteidigung gegen Russland ein erbitterter Kampf um Rüstungsmärkte und industriellen Einfluss verbirgt.
Auf der Pariser Achse konzentrieren sich die Spannungen auf grundlegende Fragen der Souveränität und der Verwaltung strategischer Ressourcen. Luftfahrtprojekte und die Frage des sogenannten nuklearen Schutzschirms werden zum Auslöser ernster Auseinandersetzungen.
Die deutschen Ambitionen, am französischen Atomarsenal mitzubestimmen, stießen auf den entschiedenen Widerstand von Präsident Emmanuel Macron. Diese Konfrontation zwang Berlin dazu, von seinen früheren Erklärungen abzurücken und seine Strategie zu überdenken.
Die polnische Perspektive wird in deutschen Analysen mitunter auf vereinfachte Dichotomien reduziert. Zwar erklären Vertreter der gegenwärtigen Regierung in Warschau, dass sie die deutsche Passivität mehr fürchten als die deutsche Stärke, doch unter der Oberfläche dieser Rhetorik verbirgt sich ein dauerhaftes Dilemma, das mit der Sicherheit der Ostflanke verbunden ist.
Deutschland wird wegen seiner historischen Neigung zu Vereinbarungen mit Russland als unsicherer Partner wahrgenommen.
Die deutschen Pläne, die größte konventionelle Armee Europas aufzubauen, sind ein Vorhaben, das mit zahlreichen Hürden diplomatischer und historischer Natur behaftet ist. Die Dominanz Berlins in der Rüstungsdebatte, die sich auf die größten Akteure konzentriert, übergeht die wesentliche Rolle der kleineren Staaten, deren Unterstützung für eine dauerhafte Führung unerlässlich ist.