Die Europäische Union investiert Hunderte Millionen Euro, um die Kontrolle über die Daten ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erlangen. Der neue Plan einer „souveränen Cloud“ soll Europa von den amerikanischen Technologiegiganten unabhängig machen – und könnte unmittelbar beeinflussen, wo und wie Ihre Daten gespeichert werden.
Die Europäische Kommission hat einen bedeutenden Schritt zur Stärkung der digitalen Souveränität der Europäischen Union unternommen und die Ergebnisse einer Ausschreibung für souveräne Cloud-Dienste bekannt gegeben. Am sechzehnten April teilte die Kommission in Brüssel mit, dass ein Auftrag im Wert von bis zu hundertachtzig Millionen Euro an vier europäische Anbieter vergeben wurde.
Dieser Vertrag, der über einen Zeitraum von sechs Jahren gelten soll, wird es den Organen, Einrichtungen, Ämtern und Agenturen der Union ermöglichen, fortschrittliche, sichere und vollständig souveräne Cloud-Lösungen zu nutzen.
Die großflächige Nutzung des Cloud-Computings der EU ist eine Grundvoraussetzung für die Steigerung der digitalen Souveränität der EU. Die Kommission geht mit gutem Beispiel voran, denn die Ausschreibung für die souveräne Cloud setzt einen neuen Maßstab dafür, was „Souveränität“ in Bezug auf Cloud-Dienste in der Praxis bedeutet – heißt es auf den Seiten der Europäischen Kommission.
Die ausgewählten Anbieter repräsentieren die größten europäischen Kapazitäten im Bereich des Cloud-Computings. Darunter ist das luxemburgische Unternehmen Post Telecom, das in Partnerschaft mit den französischen Unternehmen CleverCloud und OVHcloud agiert – Firmen, die für innovative und skalierbare Lösungen bekannt sind. Weitere Anbieter sind das deutsche STACKIT sowie das französische Scaleway, die eine moderne, auf die Bedürfnisse des öffentlichen Sektors zugeschnittene Infrastruktur anbieten. Auch Proximus fehlt nicht, das mit S3NS – einem Joint Venture von Thales und Google Cloud – sowie mit Clarence und Mistral zusammenarbeitet. Eine solche Konstellation soll es ermöglichen, europäische Expertise mit ausgewählten Technologien unter strenger Kontrolle zu verbinden, und soll ein hohes Maß an Innovationskraft und Zuverlässigkeit gewährleisten.
Die Vergabe von vier parallelen Aufträgen hat aus Sicht der EU eine entscheidende Bedeutung für die Diversifizierung und den Aufbau von Resilienz. Indem die Kommission eine Konzentration auf einen einzigen Anbieter vermeidet, minimiert sie die Risiken, die mit möglichen Ausfällen, Cyberangriffen oder politischem Druck verbunden sind. Dies ist besonders wichtig vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Daten und Informationsverarbeitung für das Funktionieren der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft sowie des Alltags der Bürgerinnen und Bürger. Eine souveräne Cloud bedeutet nämlich nicht nur die Speicherung von Informationen auf in Europa angesiedelten Servern, sondern vor allem die vollständige Kontrolle darüber, wer Zugang zu den Daten hat und auf welche Weise sie verarbeitet werden.
Die Europäische Kommission geht in diesem Fall mit eigenem Beispiel voran und setzt einen neuen Benchmark für die Definition souveräner Cloud-Dienste. Durch den breiten Einsatz europäischer Cloud-Lösungen bei den EU-Einrichtungen zeigt die EU, dass solche Dienste nicht nur sicher und rechtskonform sein können, sondern auch in puncto Qualität und Kosten wettbewerbsfähig sind. Diese Initiative wirkt sich zudem auf den gesamten Markt aus und ermutigt Hersteller und Anbieter aus der ganzen Union, ihre Angebote an die höchsten europäischen Standards anzupassen.
Dieses Paket wird unter anderem eine Open-Source-Strategie umfassen, die offenen Quellcode und Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Software fördert. Ein weiteres Element ist der Chips Act 2, der die Bemühungen zur Stärkung der europäischen Halbleiterproduktion und zur Verringerung der Abhängigkeit von Lieferungen aus Asien fortsetzt. Zum Paket gehört außerdem die Strategische Roadmap für die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz im Energiesektor, die darauf abzielt, die Energiewende durch moderne digitale Technologien zu unterstützen. Der zentrale Rechtsakt wird hingegen der Cloud and AI Development Act sein, kurz CADA. Dieser Rechtsakt soll die Definition von Souveränität im Bereich der Cloud- und auf Künstlicher Intelligenz basierenden Dienste im gesamten Binnenmarkt vereinheitlichen.
Die Ausschreibung für die „souveränen“ Clouds wurde bereits im Oktober 2025 im Rahmen des dynamischen Beschaffungssystems Cloud III DPS gestartet. Das Verfahren hatte wettbewerblichen Charakter, was die Auswahl der bestmöglichen Lösungen gewährleisten soll. Die gesamte Operation fügt sich in die langfristige Strategie der Europäischen Union ein, die auf das Erreichen technologischer strategischer Autonomie abzielt. Auf längere Sicht sollen derartige Maßnahmen messbare wirtschaftliche Vorteile bringen. Die Stärkung des Cloud-Sektors in Europa soll sich in der Schaffung hoch spezialisierter Arbeitsplätze, in steigenden Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in einer allgemeinen Steigerung der Innovationskraft der Europäischen Union niederschlagen.