Die Eröffnung des Polnischen Wirtschaftsklubs (PKB) am 28. Mai 2026 durch Minister Andrzej Domański im Sitz der Botschaft der Republik Polen Unter den Linden in Berlin sollte ein symbolischer Akt der Stärkung der polnischen wirtschaftlichen Präsenz in Deutschland sein. Bei dieser Gelegenheit tauchten jedoch auch wesentliche Fragen auf.

Der Initiator des Klubs seitens der Botschaft, Marcin Król, Leiter der Wirtschaftsabteilung sowie Vizepräsident des Polnischen Wirtschaftsklubs an der Botschaft der Republik Polen in Berlin, versammelte um dieses Projekt herum fast zweihundert Unternehmen. Erklärtes Ziel des Klubs sind Networking, Unterstützung bei Fusionen und Übernahmen und vor allem eine Plattform für polnische Investoren, die deutsche Unternehmen übernehmen. Das offizielle Motto des Klubs lautet „Polnische Unternehmen bündeln ihre Kräfte“. Die Realität, die die Eigentümer- und Personalstrukturen des zentralen Akteurs hinter der Initiative offenbaren, zwingt zu der Frage nach der wahren Natur dieses Vorhabens.

Deutschland ist für Polen ein strategischer Handelspartner. Die gegenseitigen Investitionen sowie die integrierten Lieferketten bilden ein dauerhaftes Fundament für die Wettbewerbsfähigkeit beider Volkswirtschaften. In diesem Kontext hat der Polnische Wirtschaftsklub an der Botschaft der Republik Polen in Berlin zum Ziel, die Expansion polnischer Unternehmen zu unterstützen, das Wirtschaftsumfeld zu integrieren und polnischen Unternehmern eine stärkere Vertretung auf dem deutschen Markt zu sichern – sagte bei der Eröffnung Dr. Adam Sikorski, Vorstandsvorsitzender der Unimot S.A.

Erster Vorsitzender (Vorstandsvorsitzender) des Klubs wurde Radosław Tomasz Krochta, Vorstandsvorsitzender der MLP Group S.A., also einer an der Warschauer Börse (GPW) notierten Gesellschaft und eines der größten Entwickler von Logistikparks in Mitteleuropa. MLP ist jedoch kein typischer „polnischer Champion“. Es handelt sich um ein Unternehmen mit tiefen, historischen und aktuellen Verflechtungen mit israelischem Immobilienkapital. Größter Aktionär bleibt die niederländische Cajamarca Holland BV, ein bedeutender Aktionär ist The Israel Land Development Company Ltd. (ILDC). Gründer der Gruppe ist die israelische Gesellschaft ILDC zusammen mit einem verbundenen Investorenkreis, der bis heute über das Aktionariat und den Aufsichtsrat realen Einfluss auf die Strategie behält.

Die MLP Group ist in Deutschland kein Neuling, ihre Politik ist dort sehr expansiv. Die Gruppe entwickelt Logistikparks unter anderem in Castrop-Rauxel, Unna, Spreenhagen bei Berlin, wo sie zwei Projekte realisiert, sowie in Schalke/Gelsenkirchen. Ein weiteres Projekt soll der zweistöckige MLP Business Park München werden. Verfügbaren Informationen zufolge hat die MLP Group in Deutschland rund 800 Mio. Euro investiert. Sie baut nicht nur Big-Box-Lagerhallen, sondern auch sogenannte City-Logistik in den wichtigsten Ballungsräumen. Das ist keine marginale Präsenz – das ist ein realer Einfluss auf die deutsche Logistikinfrastruktur und die Lieferketten.

Soll der polnische Wirtschaftsklub an der polnischen Botschaft polnische Unternehmer unterstützen oder vielmehr die Expansion von Kapital erleichtern, über das Polen keine reale Kontrolle hat?

Der Klub soll einen Vorstand und einen Programmbeirat haben, doch das Fehlen einer vollständigen, öffentlichen Mitgliederliste dieser Gremien – abgesehen von der Person des Vorsitzenden – ist an sich beunruhigend. Wenn unter ihnen Unternehmen mit einer ähnlichen Eigentümerstruktur wie MLP dominieren, haben wir es möglicherweise weniger mit einer Plattform der polnischen Wirtschaft zu tun als mit einem Klub, der auf ausgewähltes Kapital beschränkt ist, das die polnische diplomatische Flagge als bequemen Schutzschirm nutzt.

Wobei andererseits in diesen Strukturen auch das unter der Kontrolle der Familie Sikorski stehende Unimot aktiv ist, das bereits Anteile an deutschen Logistikunternehmen hält.

Die obigen Fragen richten sich nicht an Investoren, die ihre Geschäftsinteressen verfolgen, sondern an den unter der Kontrolle der Regierung von Donald Tusk stehenden polnischen Staat, der sich auf „polnische Interessen“ berufend de facto Unternehmen fördern kann, die polnische Hilfe nicht benötigen. Im Kontext der polnisch-deutschen Beziehungen, in denen Eigentumsfragen, die Sicherheit der Lieferketten und die Geopolitik eine immer größere Rolle spielen, erfordert eine solche Initiative eine deutlich tiefere öffentliche Debatte und parlamentarische Kontrolle.

Der Polnische Wirtschaftsklub kann ein wichtiges Instrument zur Stärkung der wirtschaftlichen Souveränität Polens in Deutschland sein. Stattdessen riskieren wir, dass er zu einem Beispiel dafür wird, wie die Wirtschaftsdiplomatie der Republik Polen partikularen Interessen dient, die, wenngleich legal, sich nicht notwendigerweise mit den langfristigen strategischen Zielen des polnischen Staates decken.