Die Treuhandverwaltung erfüllt die Funktion einer formalen Abschirmung und blockiert durch das Einfrieren der Konten den Transfer von Gewinnen nach Moskau; operativ setzen die Tochtergesellschaften von Rosneft Deutschland ihre Aktivität auf deutschem Boden jedoch fort. Es bestehen begründete Vermutungen, dass sich die personelle und operative Lage in diesen Unternehmen nicht wesentlich geändert hat – und gerade sie waren es, die in der Vergangenheit die Lieferungen des als „gefärbtes Öl“ bezeichneten Rohstoffs ausgehandelt haben.
Im Zentrum dieses diplomatischen und rechtlichen Streits steht der polnische stellvertretende Energieminister Wojciech Wrochna, dessen fachliche Kompetenzen und Vergangenheit im Privatsektor einen wesentlichen Kontext für die geführten Verhandlungen bilden. Als Jurist mit Erfahrung in einer der größten Anwaltskanzleien, die bedeutende Unternehmen mit deutschem Kapital wie Axel Springer oder den Fonds Mutares Group betreut, verfügt Wrochna über tiefgreifende Kenntnisse des deutschen und internationalen Zivilrechts.
Das polnische Ministerium soll der deutschen Seite vier Varianten von Öllieferungen über Gdańsk vorgelegt haben, die so konstruiert wurden, dass die Tatsache verschleiert wird, dass der Endabnehmer weiterhin ein mit Rosneft verbundenes Unternehmen ist. Kontrovers ist der Umstand, dass die vorgeschlagenen Lösungen unter die Definition von Handlungen fallen könnten, die im deutschen Strafgesetzbuch als Arglist bezeichnet werden, was mit der Rolle eines sogenannten Strohmanns im Wirtschaftsverkehr verbunden ist.
Zwischen Warschau und Berlin kommt es zu einem eigentümlichen Hin- und Herschieben der Verantwortung für den Einsatz von Mechanismen, die die strengen Regeln des Rechts und der Sanktionen umgehen. Indem die polnische Seite Varianten eines verdeckten Transports des Rohstoffs präsentiert, nimmt sie die Rolle eines aktiven Teilnehmers an einem Prozess ein, der im Kontext des andauernden Energiekriegs mit Russland Zweifel rechtlicher und ethischer Natur aufwirft.