Ein gutes Dutzend Menschen aus dem Ruch Obrony Granic (Bewegung zum Schutz der Grenzen), darunter Robert Bąkiewicz, zog gestern zum provisorischen Denkmal der polnischen Opfer der Jahre 1939-1945 in Berlin. Die Polen wollten in Stille Blumen niederlegen sowie zum Jahrestag des ersten Transports polnischer Häftlinge in das Vernichtungslager Auschwitz beten. Der Weg zum Ziel wurde jedoch plötzlich und brutal blockiert.
- Sie wurden von deutschen Polizisten umzingelt. Diese Umzingelung bestand aus vielen Ringen. Ich habe den Eindruck, dass es drei Ringe von Polizisten waren, die sie umzingelten - berichtet Aleksandra Fedorska.
Die deutschen Beamten nannten keine klare rechtliche Grundlage für ihr Vorgehen. Sie erklärten lediglich, dass eine solche Form der Versammlung und der patriotischen Botschaft auf diesem Gelände „nicht erwünscht“ sei. Den Polen wurde der weitere Marsch in der Gruppe untersagt.
Angesichts des Fehlens jeglicher rechtlicher Argumente seitens der Polizei riefen die versammelten Polen eine sogenannte spontane Versammlung aus, die ihnen das deutsche Recht garantiert. Die Uniformierten wollten davon jedoch nichts hören. Als die Polen zu singen begannen, kam es zu einem Handgemenge.
- Sie sangen auch die Rota. In der Mitteilung der Polizei wird dies als lautes Geschrei bezeichnet - fügt die Journalistin hinzu.
Für die deutschen Dienste erwies sich nicht nur der Umzug selbst als Problem, sondern vor allem die Präsenz religiöser und nationaler Symbole. Die Polizei forderte, dass die Polen das Kreuz wegstecken, die Fahnen einrollen und einzeln gehen sollten.
Das gesamte Geschehen wurde von den Kameras von Telewizja Republika aufgenommen. Die Brutalität der deutschen Beamten löste unter zufälligen Passanten enorme Bestürzung aus. Zeugin der polizeilichen Aggression war unter anderem eine junge, in Berlin lebende Amerikanerin.
- Sie sah, wie ältere Menschen mit dem Knie und mit Fäusten zu Boden gedrückt wurden, denn so sah es aus. Sie war entsetzt und eilte zum Ort des Geschehens, weil sie nicht glauben konnte, dass das geschieht - erzählt Fedorska.
Als die entsetzte Frau versuchte, die Aufmerksamkeit der Schaulustigen und der Polizisten selbst auf die Tatsache zu lenken, dass sie ältere, wehrlose, Blumen tragende Menschen schlagen, wurde sie selbst zum Opfer der Aggression. Die Polizisten packten sie brutal, zerrten sie in den Streifenwagen und zwangen sie, sich zu entschuldigen, indem sie ihr mit einer Festnahme drohten.
Warum entschieden sich die deutschen Dienste zu einer so radikalen und gewaltsamen Lösung gegenüber einer Handvoll friedlicher Menschen? Nach Ansicht von Aleksandra Fedorska hatte diese Aktion eine rein politische und demonstrative Dimension.
- Der Ruch Obrony Granic ist seit zwei Jahren ein Problem für die Deutschen. Und die Deutschen hatten gehofft, dass die Polen mit dieser Bewegung einfach fertig werden, denn diese Bewegung stört einfach die deutsche Politik an dieser Grenze - erläutert die Chefredakteurin von Radio Debata.
Die Polen wurden lediglich 150 Meter vor dem Zieldenkmal festgenommen. Das Eingreifen der deutschen Polizei löste Empörung aus und wird mit Sicherheit offizielle Anfragen seitens polnischer Diplomaten nach sich ziehen.