Die von Reuters erstellten Untersuchungen zum Medienvertrauen sind für die deutschen öffentlich-rechtlichen und die Mainstream-Medien auf den ersten Blick sehr optimistisch. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Medien, insbesondere die ARD und ihr Vorzeigeprogramm Tagesschau, genießen das Vertrauen von ganzen 65 % der Befragten. Das ist ein beeindruckendes Ergebnis, wenn man das Ausmaß der Manipulation und das Verschweigen zentraler Informationen berücksichtigt, etwa der Nationalität von Straftätern. Nur 19 % der Deutschen halten diese Medien für anfällig für Täuschung. Für die Mehrheit überwiegt die Autorität der staatlichen Institution nach wie vor die kritische Bewertung der Fakten.
In den vergangenen Jahren wurde die ARD für ihre selektive Berichterstattung über Ereignisse kritisiert, insbesondere über solche im Zusammenhang mit Einwanderung und Kriminalität. Ein Beispiel dafür ist der Fall der Massenübergriffe und Vergewaltigungen in Köln in der Silvesternacht 2015, als die öffentlich-rechtlichen Medien das Ausmaß des Problems zunächst herunterspielten, was eine Welle der Empörung in der Gesellschaft auslöste. Dennoch bleibt das Vertrauen in die ARD hoch, was auf eine tief verwurzelte Überzeugung von der Mission der öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland zurückzuführen sein könnte.
Ganz anders stellt sich die Situation bei den kommerziellen Medien dar. Die Boulevardzeitung Bild hat, obwohl ihr nur 24 % der Deutschen vertrauen, einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf den täglichen Diskurs. Gerade Bild setzt mit ihren grellen Schlagzeilen oft den Rahmen der Debatte und ist das Medium, zu dem die Deutschen am häufigsten greifen. Die Zeitung ist bekannt für ihren sensationslüsternen Stil, für Vereinfachungen und für den Gebrauch einer Sprache in einer Form, die selbst für Personen mit unvollständigen Deutschkenntnissen verständlich ist. Ihr Einfluss auf die öffentliche Meinung ist jedoch nicht zu unterschätzen, denn gerade Bild bringt oft Themen an die Öffentlichkeit, welche die Mainstream-Medien schlichtweg übergehen.
Besonders beunruhigend ist die Situation bei den Lokalmedien, die laut Umfragen das Vertrauen von 64 % der Befragten genießen. In der Praxis sind sie tief in lokale Abhängigkeiten verstrickt. Nach Einschätzung von Aleksandra Fedorska, die auch in der deutschen Presse publiziert, besteht ein eigentümliches Abhängigkeitsdreieck zwischen der Verwaltung, den lokalen Arbeitgebern und den Redaktionen.
Journalisten, oft Freiberufler, sind außergewöhnlich anfällig für Druck vonseiten der Firmenchefs oder Politiker. Lokale Eliten wechseln fließend von Posten in den Medien in die Lokalpolitik oder in Wirtschaftsstrukturen, die in derselben Region angesiedelt sind.
In kleinen Ortschaften sind die Lokalzeitungen oft die einzige Informationsquelle, was ihnen enorme Macht verleiht. Diese Macht wird jedoch überwiegend dazu genutzt, ein positives Image der Region aufzubauen, und nicht zu einer zuverlässigen Kontrolle der lokalen Eliten. Das hohe Vertrauen der Deutschen in ihre Medien, trotz ihrer offensichtlichen Fehler und Manipulationen, könnte auf ein starkes Bedürfnis nach Stabilität und ein übermäßiges Vertrauen in Institutionen zurückzuführen sein. Infolgedessen werden die Medien zu einem Instrument der Verfestigung des Status quo und schränken ihre Kontrollfunktion drastisch ein.